UEFA-Kongress: DFB für weitere Amtszeit von Aleksander Ceferin und gegen Rückkehr Russlands

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Beim anstehenden UEFA-Kongress in Belgrad positioniert sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) klar – und zwar gleich in zwei zentralen Fragen. Einerseits unterstützt er vehement eine mögliche Fortsetzung der Amtszeit von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin über das Jahr 2027 hinaus. Andererseits lehnt DFB-Präsident Bernd Neuendorf eine Rückkehr russischer Mannschaften in den internationalen Fußball kategorisch ab. Inmitten wachsender Spekulationen über eine Annäherung zwischen UEFA und Russland macht der DFB damit deutlich, wo er steht.

„Es wäre absolut wünschenswert, dass er weitermacht“, sagte Neuendorf über Aleksander Ceferin. Der Slowene hatte nach dem UEFA-Kongress 2023 in Paris erklärt, sich 2027 nicht erneut zur Wahl zu stellen. Hintergrund war eine umstrittene Statutenänderung, wonach seine erste Amtszeit von 2016 bis 2019 nicht auf das Drei-Amtszeiten-Limit angerechnet wird. Kritiker warfen Ceferin vor, sich damit den Weg zu einer vierten Amtszeit offenzuhalten. Doch der Chef des DFB steht hinter dem Präsidenten: „Er ist klug und verlässlich. Er ist humorvoll und zugewandt. Er hat einen klaren Blick auf die Herausforderungen des Fußballs.“

Deutschland will Frauen-EM 2029 ausrichten

Ceferin genießt nach wie vor große Unterstützung. Medienberichten zufolge sollen etwa 20 von 55 UEFA-Mitgliedsverbänden ihn bereits ermutigt haben, nochmals zu kandidieren. Offizielle Nachfolgepläne gibt es bisher nicht. Der DFB bringt sich derweil strategisch in Position. Hans-Joachim Watzke, seit 2023 im UEFA-Exekutivkomitee, wurde erneut für das Gremium nominiert. Bernd Neuendorfs Wiederwahl in den FIFA-Council gilt zudem als Formsache. Und: Deutschland möchte sich um die Austragung der Europameisterschaft 2029 der Frauen bewerben. Auch dafür soll in Belgrad geworben werden.

UEFA-Präsidenten seit 1954

Noch brisanter als die Personaldebatte rund um Ceferin ist das Thema Russland. Obwohl offiziell nicht auf der Tagesordnung des UEFA-Kongresses, dürfte es am Rande der Veranstaltungen intensiv diskutiert werden. Der Druck seitens des russischen Fußballverbands wächst. Verbandspräsident Alexander Djukow sprach zuletzt von einer „über 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit“ einer Rückkehr noch in diesem Jahr. Djukow, zugleich Geschäftsführer einer Gazprom-Tochter, kündigte an, dass die Frage der Zulassung russischer Teams „am Rande“ des Kongresses besprochen werde. Und dies, obwohl seine Amtszeit im UEFA-Exekutivkomitee mit dem Treffen endet.

Aleksander Ceferin will Russland-Sanktionen lockern

Neuendorf ließ jedoch keinen Zweifel an der Haltung des DFB: „Fakt ist, dass sich an der Ausgangslage, die zur Suspendierung russischer Mannschaften geführt hat, leider nichts geändert hat“, erklärte er. Solange Russland den Angriffskrieg gegen die Ukraine fortsetze, sei eine Rückkehr in den Weltfußball „völlig ausgeschlossen“. Auch Diskussionen über eine teilweise Wiederzulassung – etwa von Jugendmannschaften – lehnt der DFB ab. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte sich zuletzt offener gezeigt, was die Rückkehr russischer Jugendteams betrifft. Kinder würden keine politischen Entscheidungen treffen, argumentierte er. Der Fußball könne gerade im Jugendalter Brücken bauen. Doch Neuendorf kontert: Solange sich die politische Lage nicht „substanziell“ verändere, erübrige sich jede Debatte über eine Aufhebung der Sanktionen.

„Sobald ein russisches Kind beispielsweise nach Slowenien kommt und von einem slowenischen Kind in die Arme geschlossen wird, erkennt es, dass wir keine Feinde sind und dass das Leben weitergehen muss.“

Aleksander Ceferin

Derweil senden auch UEFA und FIFA widersprüchliche Signale. Während sich etwa FIFA-Präsident Gianni Infantino grundsätzlich offen für eine russische Rückkehr zeigt, bleibt unklar, unter welchen Bedingungen diese erfolgen könnte. Die Suspendierung wurde damals offiziell mit Sicherheitsbedenken und dem Schutz der Wettbewerbsintegrität begründet. Doch die Realität auf dem Platz war drastisch. Zahlreiche Verbände weigerten sich, Spiele gegen russische Teams auszutragen. So wurde der Ausschluss zur logischen Konsequenz. Im Hintergrund aber laufen längst diplomatische Gespräche. Vertreter der UEFA besuchten kürzlich den russischen Verband. Jesper Möller vom dänischen Fußballverband sprach von einem „Wunsch“ in Teilen der UEFA und FIFA, Russland zurückzuholen. Doch ohne politischen Fortschritt wird daraus nichts. So lautet jedenfalls die klare Botschaft des DFB vor dem Kongress in Belgrad.

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