Es war ein historischer Abend auf der ausverkauften Bielefelder Alm. Drittligist Arminia Bielefeld steht nach einem leidenschaftlichen 2:1-Sieg gegen den amtierenden Doublesieger Bayer Leverkusen sensationell im Finale des DFB-Pokals – erstmals in der Geschichte des Vereins. In einem emotionalen und intensiv geführten Halbfinale lieferte das Team von Trainer Mitch Kniat dem Bundesligaprimus einen beeindruckenden Kampf und belohnte sich mit einem weiteren Meilenstein im Pokalmärchen.
Bereits zum vierten Mal in diesem Wettbewerb warf Arminia Bielefeld ein Team aus der Bundesliga aus dem Turnier. Nach Union Berlin, dem SC Freiburg und Werder Bremen war nun auch Bayer Leverkusen an der Reihe. Es war das fünfte Halbfinale der Vereinsgeschichte, doch erstmals konnte die Arminia nicht nur treffen, sondern es reichte direkt zum ganz großen Coup.
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Arminia Bielefeld dreht das Spiel noch vor der Pause
Dabei startete Leverkusen, das mit Robert Andrich und Amine Adli im Vergleich zum Bundesliga-Spiel gegen Bochum begann, dominant in die Partie. Die Werkself, angeführt vom erfahreneren Keeper Lukas Hradecky, ging durch eine einstudierte Eckballvariante in Führung. Grimaldos Hereingabe verlängerte Adli, und Jonathan Tah vollendete artistisch am langen Pfosten zur Führung (18.). Doch Arminia Bielefeld reagierte sofort. Nur zwei Minuten später traf Marius Wörl mit seinem bereits dritten Pokaltor nach einem langen Ball von Leon Schneider und starker Vorarbeit von Louis Oppie zum Ausgleich (20.). Der Ball wurde dabei noch leicht von Tah abgefälscht, was Hradecky ohne Chance ließ.
DFB-Pokal-Sieger seit 2015
Bielefeld wuchs in der Folge über sich hinaus, spielte mutig und auf Augenhöhe. Ein Klassenunterschied war nicht zu erkennen. Und kurz vor dem Pausenpfiff folgte der emotionale Höhepunkt. Wieder war Oppie der Vorlagengeber, sein scharfer Freistoß fand am langen Pfosten Maximilian Großer, der entschlossen zum 2:1 einschob (45.+3). Die Schüco-Arena tobte. Nach dem Seitenwechsel erwarteten viele einen Sturmlauf des Bundesligisten. Doch dieser blieb aus. Leverkusen wirkte fahrig, ideenlos und ungewohnt nervös. Bielefeld hingegen blieb weiter gefährlich und hatte durch Joel Grodowski sogar die Chance auf das 3:1, doch der Stürmer schoss sich bei seiner Direktabnahme selbst an, der Ball kullerte am langen Pfosten vorbei (69.). Bayer 04 Leverkusen kam erst spät wieder zu Chancen. Nennenswert war aber einzig der Kopfball von Patrik Schick, der in der 81. Minute den rechten Außenpfosten traf.
Im DFB-Pokal-Finale gegen den VfB Stuttgart oder RB Leipzig
Xabi Alonsos Team fand nie wirklich Zugriff auf die Partie. Besonders das Fehlen von Spielmacher Florian Wirtz war spürbar. „Das war mit Abstand das schlechteste Spiel der Saison“, sagte ein selbstkritischer Robert Andrich nach der Partie. „Grundsätzlich müssen wir ganz ehrlich sein: Bielefeld ist verdient im Finale.“ Bielefelds Trainer Mitch Kniat konnte seine Emotionen kaum in Worte fassen: „Ich bin einfach nur stolz auf die ganze Mannschaft. Heute Nacht schläft hier in der Stadt keiner.“
„Heute Nacht schläft hier in der Stadt keiner.“
Bielefelds Trainer Mitch Kniat
Und die Fans feierten – nach nervenaufreibenden sechs Minuten Nachspielzeit – ihre Pokalhelden frenetisch. Mit Mut, Leidenschaft und taktischer Cleverness hatten die Ostwestfalen Fußball-Geschichte geschrieben und ein ganzes Stadion zum Beben gebracht. Im Pokalfinale in Berlin wartet nun entweder der VfB Stuttgart oder RB Leipzig. Doch egal, wer der Gegner im Endspiel wird, Arminia Bielefeld hat sich bereits mit diesem Fußball-Spiel unsterblich gemacht.
Tore:
0:1 Jonathan Tah (Bayer 04 Leverkusen), 17. Minute
1:1 Marius Wörl (Arminia Bielefeld), 20. Minute
2:1 Maximilian Großer (Arminia Bielefeld), 45.+3 Minute